Diabetes
Diabetes mellitus ist eine chronische Krankheit, bei der der Blutzuckerspiegel ansteigt, weil der Körper nicht genügend Insulin produziert oder es nicht effizient wirken kann. Insulin ist ein Hormon aus der Bauchspeicheldrüse, das Glukose aus dem Blut in die Zellen transportieren lässt, wo sie in Energie umgewandelt wird. Ein Insulinmangel oder eine verminderte Insulinwirkung führt zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie), der für den Diabetes kennzeichnend ist.
Diabetes ist keine einzelne Erkrankung, sondern ein Überbegriff für verschiedene Stoffwechselstörungen mit ähnlichen Symptomen, aber unterschiedlichen Ursachen und Verläufen. Zu den häufigsten Formen gehören der autoimmune Typ-1-Diabetes, der Typ-2-Diabetes und der Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes). Darüber hinaus existieren weitere, seltenere Diabetesformen.
Typ-1-Diabetes
Der Diabetes-Typ-1ist eine chronische Autoimmunerkrankung. Bei Diabetes-Typ-1 greift das körpereigene Immunsystem die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse an. Dadurch wird insgesamt zu wenig oder gar kein Insulin gebildet.
- Übermässiger Durst und Mundtrockenheit
- Plötzliche Gewichtsabnahme
- Gesteigerte Urinausscheidung
- Nächtliches Einnässen (Harninkontinenz)
- Energielosigkeit, Müdigkeit
- Ständiger Hunger
- Verschwommenes Sehen
In der Schweiz haben schätzungsweise 40’000 Menschen einen Diabetes-Typ-1.
Die Inzidenz (Anzahl neuer Fälle) des Diabetes-Typ-1 nimmt überall auf der Welt zu, allerdings mit erheblichen Unterschieden je nach Land; bestimmte Regionen verzeichnen eine viel grössere Häufigkeit als andere. Die Gründe für diese Entwicklung sind unklar, man vermutet aber eine Wechselwirkung zwischen genetischen (erblichen) und Umweltfaktoren.
Diabetes-Typ-1 kann in jedem Alter auftreten, die Rate der Neuerkrankungen (Inzidenz) ist bei Kindern und Jugendlichen am höchsten.
Diabetes-Typ-1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Bauchspeicheldrüse keine oder nur sehr geringe Mengen Insulin produziert. Da die genauen Ursachen von Diabetes-Typ-1 nicht vollständig verstanden sind, ist es bisher nicht möglich, diese Form von Diabetes effektiv zu verhindern oder vorzubeugen.
Menschen mit Diabetes-Typ-1 können ohne äusserlich zugeführtes Insulin nicht überleben. Die korrekte Behandlung (d.h., mit dem von aussen zugeführten Insulin die richtigen Blutzuckerwerte erreichen) ist wichtig, um Komplikationen zu vermeiden.
Typ-2-Diabetes
Bei Diabetes-Typ-2 sprechen die Körperzellen weniger gut auf Insulin an (Insulinresistenz). Die Bauchspeicheldrüse muss daraufhin mehr Insulin produzieren. Mit der Zeit reicht ihre Produktion jedoch nicht mehr aus. Der daraus resultierende dauerhaft erhöhte Blutzuckerspiegel ist das Kennzeichen von Diabetes-Typ-2.
Die Symptome von Diabetes-Typ-2 sind vielfältig, insbesondere:
- Übermässiger Durst und Mundtrockenheit
- Wiederkehrende Pilzinfektionen der Haut
- Reichliches und häufiges Urinieren (Wasserlassen)
- Verzögerte Wundheilung
- Energielosigkeit, extreme Müdigkeit
- Verschwommenes Sehen
- Kribbeln und Taubheitsgefühl der Hände und Füsse
In der Schweiz sind schätzungsweise 460’000 Menschen von Diabetes-Typ-2 betroffen (nahezu 90% der Menschen mit Diabetes).
Diabetes-Typ-2 betrifft üblicherweise Erwachsene im Alter von über 40 Jahren. Leider ist seit einigen Jahren festzustellen, dass er immer mehr auch bei jüngeren Menschen, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen, auftritt. Die Ursachen von Diabetes-Typ-2 sind nicht vollumfänglich bekannt, doch besteht ein enger Zusammenhang mit Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) sowie mit dem Lebensalter, der Ethnizität und medizinischer Vorgeschichte der Familie. Weil anfänglich oft Symptome ausbleiben oder nicht erkannt werden, können Anomalien des Blutzuckers lange bestehen, bevor die Diagnose eines Diabetes gestellt wird. Wenn ein vorhandener Diabetes für lange Zeit nicht diagnostiziert wird, können bereits Komplikationen auftreten.
Wenn der Körper den Blutzucker nicht mehr selber genügend regulieren kann, ist er neben der Anpassung des Lebenstils auch oft auf Unterstützung medikamentöser Therapie angewiesen.
Was sind die Unterschiede zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes?
- Diabetes-Typ-1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse angreift und zerstört. Hier wird nur noch sehr wenig oder gar kein Insulin mehr produziert, weshalb Insulin von aussen zugeführt werden muss. Diabetes Typ 1 kann in jedem Alter und typischerweise plötzlich auftreten.
- Diabetes-Typ-2: Bei dieser Form wird entweder zu wenig Insulin gebildet oder die Wirkung des Insulins an verschiedenen Zellen im Körper ist gestört. Diabetes-Typ-2 war lange Zeit vor allem eine Erkrankung von Erwachsenen, aber mittlerweile sind vermehrt auch Jugendliche betroffen. Dies hängt oft mit einer veränderten Lebensweise zusammen, wie z. B. einem Mangel an Bewegung und Übergewicht.
- Diabetes-Typ-1 erfordert Insulinspritzen oder -pumpen, um den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren. Es ist eine lebenslange Behandlung notwendig.
- Diabetes-Typ-2 kann in manchen Fällen zunächst mit einer angepassten Ernährung, Gewichtsabnahme und regelmässiger Bewegung behandelt werden. Bei Diabetes-Typ-2 werden Medikamente eingesetzt, die die Insulinproduktion anregen, die Wirkung von Insulin verbessern oder den Blutzucker über andere Mechanismen beeinflussen.
Schwangerschaftsdiabetes
Schwangerschaftsdiabetes, auch als Gestationsdiabetes bekannt, ist eine Form von Diabetes, der während der Schwangerschaft auftritt. Es ist eine vorübergehende Stoffwechselstörung, bei der der Blutzuckerspiegel während der Schwangerschaft erhöht ist.
Schwangerschaftsdiabetes tritt normalerweise im zweiten oder dritten Trimester (Schwangerschaftsdrittel) auf und kann das Risiko von Komplikationen sowohl für die Mutter als auch das Baby erhöhen. Bei manchen Frauen kann ein Diabetes im Verlauf des ersten Trimesters festgestellt werden, welcher jedoch meist schon unentdeckt vor der Schwangerschaft bestand.
In den meisten Fällen bemerken betroffene Frauen keine Beschwerden, auch nicht die typischen Zeichen von Diabetes wie starker Durst, häufigeres Wasserlassen oder Müdigkeit. Oft deuten nur unspezifische Symptome wie (wiederkehrende) Harnwegsinfektionen oder Scheidenentzündungen auf einen Schwangerschaftsdiabetes.
In der Schweiz sind schätzungsweise zwischen 10-15% der schwangeren Frauen von einem Schwangerschaftsdiabetes betroffen.
In der Mehrheit der Fälle verschwindet der Schwangerschaftsdiabetes nach der Entbindung, aber bei der Mutter besteht das Risiko, in den Jahren nach ihrer Schwangerschaft Diabetes-Typ-2 zu entwickeln. In selteneren Fällen kann der Schwangerschaftsdiabetes auch ein frühes Zeichen für entstehenden Diabetes-Typ-1 sein.
Die Risikofaktoren für die Entwicklung eines Schwangerschaftsdiabetes sind insbesondere ein fortgeschrittenes Alter der künftigen Mutter, Übergewicht oder Schwangerschaftsdiabetes einer früheren Schwangerschaft, Fälle von Diabetes in der Familie, frühere Geburten mit Geburtsgewicht über 4 kg oder wiederholte Fehlgeburten.
Im Allgemeinen wird der Schwangerschaftsdiabetes in erster Linie über die Anpassung der Ernährung sowie eine gute Lebenshygiene (Stressbewältigung, ausreichender Schlaf und körperliche Aktivität) kontrolliert. In manche Fällen kann eine Behandlung mit Insulin erforderlich sein.
Welche Komplikationen können bei Diabetes auftreten?
Alle Diabetestypen können zu Komplikationen führen. Komplikationen können sich über längere Zeit unentdeckt entwickeln, bevor sie zum Vorschein kommen. Das Risiko lässt sich mittels regelmässiger Blutzuckerkontrolle und einer individuell angepassten Behandlung vermindern.
Ständig erhöhte Blutzuckerspiegel führen an mehreren Organen und Körperregionen zu Schäden, hauptsächlich:
- an den Nieren (Niereninsuffizienz, Nephropathie)
- an den Augen (Retinopathie)
- am Nervensystem (Neuropathie)
- an den Blutgefässen und am Herzen (kardiovaskulär)
- Infolge Schädigungen der Nerven können auch bestimmte Empfindungen an den Füssen allmählich verloren gehen, sodass die Patienten kleinere Verletzungen nicht mehr wahrnehmen, die sich dann verschlimmern und infizieren können (diabetischer Fuss).
- In der Schwangerschaft erhöht ein schlecht eingestellter Diabetes das Risiko für Komplikationen bei der Mutter und dem ungeborenen Kind (Fötus).
MAT-CH-2600572-1.0-04/2026